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Microplastics in sedimentsWie so oft im Leben kann man unter einem Begriff verschiedene Dinge verstehen. Tatsächlich gibt es bis heute unterschiedliche Auslegungen, je nach Interessenslage von Verbraucherschutzverbände, Industrie, Naturschützern, Politikern usw. Das wird bei der Verwendung des Begriffes oft nicht differenziert. Erst bei genaueren Stellungnahmen wird klar, was genau wer unter dem Begriff jeweils versteht. Grund genug, sich die gegenwärtige Definition einmal anzusehen.

Gebräuchliche Definition

Orientierung gibt hier die UNEP, das United Nations Environmental Programme (Umweltprogramm der Vereinten Nationen). Ausgangsbasis waren Arbeiten zum Thema Meeresschutz. Für Kosmetik habe ich in einer Broschüre der UNEP folgende Begriffsdefinition gefunden (2):

Ingredients are ‘microplastics’ when they are:
• solid phase materials
• particulates < 5 mm
• water insoluble
• nondegradable
• made of plastic

Übersetzung:

Inhaltsstoffe sind Mikroplastik wenn sie
• Feststoffe sind
• eine Partikelgröße von < 5 mm haben
• wasserunlöslich sind
• nicht abbaubar sind
• aus Kunststoff sind.

In den Kriterien des EU-Umweltzeichens für Wasch- und Reinigungsmittel habe ich folgende Definition in Artikel 2, Absatz 1, Punkt 6 gefunden: (1)

"Mikroplastik": Partikel mit einer Größe von weniger als 5 mm eines unlöslichen, makromolekularen Kunststoffs, der durch eines der folgenden Verfahren gewonnen wird:

a) ein Polymerisationsverfahren, wie z. B. Polyaddition oder Polykondensation oder ein ähnliches Verfahren, bei dem Monomere oder andere Ausgangsstoffe verwendet werden;
b) chemische Modifikation natürlicher oder synthetischer Makromoleküle;
c) mikrobielle Fermentation;

Die Europäischen Behörde für Lebens­mittel­sicherheit (Efsa) definiert Mikroplastik wie folgt (3):

Microplastics are defined as a heterogeneous mixture of differently shaped materials referred to as fragments, fibres, spheroids, granules, pellets, flakes or beads, in the range of 0.1-5,000 µm.

Damit bezieht sich der Begriff Mikroplastik auf feste, wasserunlösliche Partikel unabhängig von deren Funktion im Produkt.

Microplastics in sediments
Mikroplastik in Sedimenten der Flüsse Elbe (A), Mosel (B), Neckar (C), und Rhein (D).
Bild von Martin Wagner et al. [CC BY 4.0 ], via Wikimedia Commons

 

Es gibt jedoch auch flüssige, cremeartige oder gelartige wasserlösliche Kunststoffe. Diese Stoffe unterstützen oft das Look&Feel des Produktes (Eintrübung, Füllstoff, Bindemittel, Färbemittel, Antistatikum, Viskosität, Glanz, usw). Diese flüssigen Kunststoffe werden nach den gegenwärtigen Definitionen nicht als Mikroplastik verstanden.

Formal mag das richtig sein, jedoch sehen z.B. Umweltschützer in Pressemeldungen und Interviews diese Definition für zu kurz gegriffen. Nach Ansicht der Fachleute könnte man auch diese löslichen Polymere durch nicht-Kunststoffe ersetzen und damit verhindern, dass sie in die Umwelt eingetragen werden.

Kritisch wird das auch deshalb gesehen, weil Reglementierungen seitens des Gesetzgebers zu Mikroplastik nach oben genannter Definition die flüssigen Kunststoffe nicht betreffen würden.

 

Herkunft von Mikroplastik

Mikroplastikpartikel können u.a. entstehen durch

  • die direkte Herstellung für Produkte (Peeling-Körner, Putzkörner in Zahnpasta, Sandstrahlreiniger)
  • durch das Zersetzen von Kunststoffen (z.B. durch Wellengang und UV-Licht im Meer)
  • durch Abrieb bzw. Verschleiß (Reifen, Farbanstriche an Schiffsrümpfen, Fasern aus der Waschmaschine)

 

(1) Amtsblatt der EU: Commission Decision (EU) 2017/1218 of 23 June 2017 establishing the EU Ecolabel criteria for laundry detergents (notified under document C(2017) 4243) (Text with EEA relevance. )

(2) Plastics in Cosmetics, UNEP 2015

(3) "Presence of microplastics and nanoplastics in food, with particular focus on seafood", doi: 10.2903/j.efsa.2016.4501, EFSA Journal 2016;14(6):4501

 

Kommentare  

0 # Herbert 2018-08-19 23:53
Ich finde es schade, dass die flüssigen Kunststoffe nicht mit betrachtet werden. In Naturkosmetik ist das Zeug doch auch nicht drin. Wieso muss man sowas in die Umwelt bringen?
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