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Eher durch Zufall habe ich beim Schmöckern auf der Landkarte gesehen, dass oben am Brocken die Ilse entspringt und parallel dazu ein Weg bis nach Ilsenburg verläuft. "Den musst Du mal laufen". Gedacht, getan und so bin ich von Ilsenburg auf den Brocken gewandert und mit der Bahn wieder nach unten gefahren. Bei dieser Wanderung geht es summarisch ca. 1500 m bergauf bis zum höchsten Punkt im Harz.

Die Brockenbahn ist leider binnen Jahresfrist noch einmal teurer geworden. Mir sind keine Ermäßigungen bekannt, die hier gelten würden. Kurkarte und Gutscheinheft jedenfalls nicht. Die Strecke lässt sich trotz der Höhenmeter aufgrund des guten Weges sehr schön laufen und man kann die ganze Zeit das Rauschen der Ilse genießen. Je nach vorheriger Wetterlage kann das Rauschen auch mal etwas lauter sein oder das aufgestapelte Treibgut etwas höher. cool

Wer in Wernigerode oder seinen Ortsteilen übernachtet, bekommt mit der Gästekarte auch ein Harzer Urlaubs-Ticket HATIX. Damit kann man kostenlos mit allen öffentlichen Bus- und Straßenbahnlinien im gesamten Landkreis Harz fahren. Es gibt neben Wernigerode weitere teilnehmende Ortschaften. Daher kam ich gratis mit dem Bus nach Ilsenburg. Aber auch eine Anreise mit dem Zug wäre möglich gewesen.

Zunächst ging es ein Stück durch Ilsenburg auf der Wernigeröder Straße, dann die Marienhöferstraße und schon ist man an der Ilse. Es geht durch den Park an der Marienkirche, von dem man rechts am Zaun eine Aussicht auf die Stadt hat. Rechts vorbei am Kloster Ilsenburg kommt man zum Mönchsgraben und läuft über eine kleine Brücke. Danach beginnt der Wald. Als Einstimmung kommt man an einigen Lehrtafeln vorbei.

Ilsenburg
Ilsenburg
Ilse
Ilse

Die Wanderung entlang der Ilse ist zunächst identisch mit dem Heinrich-Heine-Wanderweg (Bremerweg) mit der Wegmarkierung grüner Balken auf weißem Grund. Dieser beginnt am Blochhauer-Platz, den man am Ende des Naturlehrpfades nach der Brücke über die Ilse erreicht. Hier wurden früher aus zu Tal geflößten Baumstämmen mit Bloch-Beilen Balken für Fachwerkhäuser oder den Bergbau behauen.

Als nächstes kommt man zur Nagelhütte am Nagelhüttenteich. Die Hütte besteht nicht etwa aus Nägeln sondern hier wurden im 19. Jh. Nägel hergestellt. So brauchte man damals Nägel für Wagenräder, später für die Eisenbahn und den Bau. Angetrieben wurde die Fertigung durch ein Wasserrad. Seit ein paar Jahren ist die ehemalige Fertigungsstätte ein Restaurant.

Dann kommt man an einer ehemaligen Sägemühle vorbei. Holz war schon immer ein wichtiger Rohstoff im Harz. Um das Holz in das Tal zu bringen, konnte man es Flößen oder Triften. Beim Flößen werden die Stämme zusammengebunden. Beim Triften werden die Stämme einfach in das Wasser geworfen und dann nach unten gespühlt. Bei kleinen Bergflüssen funktioniert Flößen wegen der Enge nicht. Triften funktioniert gut, wenn die Flüsse Hochwasser führen, also im Frühjahr und Herbst. Allerdings hat der Holztransport auf diese Weise auch Nachteile. Stämme konnten sich am Ufer verkeilen und mussten mit Haken wieder gelöst werden. Anderenfalls würden sie die Uferbefestigung beschädigen. Andere Wassernutzer wie Mühlen oder Sägewerke mussten den Betrieb während des Triftens einstellen. Sie wurden mit Sperren vor dem Holz geschützt. Mitte des 20. Jh. wurde der Holztransport auf die Bahn verlagert.

Pilze im Ilsetal
Pilze im Ilsetal
Ilse
Ilse

Ca. 700 m weiter erreicht man die Ilsetal Straße. An dieser Kreuzung befinden sich die Prinzess-Ilse-Quelle und die Blankschmiedebrücke. Die Blankschmiede befand sich früher hier in der Nähe. Die Wasserkraft trieb von 1803 bis 1866 Hämmer zur Herstellung von Werkzeugen an. Hier hat man zwei Wegmöglichkeiten. Entweder über die Brücke und auf einem Pfad an der Ilse entlang oder auf der Straße weiterlaufen. Wer dem Pfad folgt, kommt am Parkplatz des Waldhotels heraus und muss hinter dem Hotel herum laufen. Das ist bisschen komisch, aber war kein Problem.

Nach dem Hotel verläßt man die "Zivilisation" und ist nun in der Natur. Es geht immer links oder rechts parallel zur Ilse entlang. Auf der einen Seite der Bremerweg für Fußgänger. Allerdings hatte der nach heftigen Wolkenbrüchen durch die Fluten der Ilse an einigen Stellen etwas gelitten. Gut möglich, dass der Pfad evtl. zukünftig streckenweise aufgegeben wird. Auf der anderen Seite verläuft die breite Waldstraße Ilsetal.

Man kommt am Zanthierplatz vorbei. Er ist nach dem Oberforst- und Jägermeister Hans-Dietrich von Zanthier benannt. Er gründete um 1764 in Ilsenburg die erste forstliche Lehranstalt Deutschlands. Er gilt damit als Wegbereiter moderner Waldbewirtschaftung.

Der Weg zum Brocken ist bis zur Baumgrenze dominiert von Laubbäumen, wie Buchen, Traubeneichen, Ebereschen oder Bergahorn. Später kommen Nadelbäume hinzu. Wenn man Glück hat, kann man in feuchten Ecken einen Feuersalamander entdecken. Aber auch Bergmolch, Teichmolch, Teichfrosch, Grasfrosch oder Erdkröten sind hier zu Hause.

Nach knappen 4 km kommt man zu den Ilsefällen. Das ist eher eine Wasserkaskade auf recht langer Strecke, kein riesiger Wasserfall. Das Wasser tobt zwischen den Felsen und braust nach unten. Hier gibt es auch Picknickplätze zum Rasten. Nach den Ilsenfällen kommt man zur Bremer Hütte. Hier befindet sich auch eine Stempelstelle der Harzer Wandernadel. An dieser Raststelle zweigt meine Ilse-Wanderung vom Bremerweg ab. Es geht weiter geradeaus auf der breiten Forststraße. Allerdings versteckt sich die Ilse hier ziemlich gut. Sie fließt relativ weit entfernt rechts vom Weg tief in der Schlucht. Als kleiner Bach sprudelt sie unter großen freigespühlten Felsbrocken. Manchmal kann man einen Blick erhaschen, doch meist hört man sie nur rauschen.

Nach einigen 100m kommt man an eine weitere Weggabelung. Links geht der Soldansweg ab. Wer möchte, kann auf diesem Weg einen Ausflug zu den Zeterklippen machen und von dort aus zum Brocken laufen. Den Umweg sollte man zeittechnisch abschätzen, zumal an den Aussichtspunkten mit Pausenzeiten zu rechnen ist.

Abgestorbene Fichten
Abgestorbene Fichten
Der junge Wald bricht durch
Der junge Wald bricht durch

Es geht immer weiter auf der Forststraße. Irgendwann erreicht man die Lebend-Baumgrenze. Meine Wortschöpfung. Die Fichten im Harz sind hektarweise dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. Es gibt bestimmte Höhenlagen, ab denen alle Bäume schlagartig nur noch als tote Stämme herumstehen oder abgebrochen sind. Der Wechsel kann sehr plötzlich von einer Waldabteilung zur anderen geschehen. Die Zahnstocherwälder sehen manchmal etwas gespenstig aus. Bei starkem Wind oder Sturm(böen)warnung kann ich nur empfehen, solche Gebiete zu meiden. Die Stämme brechen teilweise einfach mittig ab und stürzen auf den Weg.

Zwischen den alten Bäumen kann man aber bereits den jungen nachwachsenden Wald erkennen. Kleine Bäumchen von 1 bis 3 Metern recken sich zwischen den alten Ästen am Boden hindurch und werden in 20 Jahren einen neuen Wald bilden.

Irgendwann kurz vor dem erreichen der Brockenstraße, die hinauf zum Gipfel führt, ist die Ilse verschwunden. Man sieht nur noch Wald mit einem großen Wiesengebiet. Hier ist das Quellgebiet der Ilse. Von der Brockenstraße aus kann man auf dem hölzernen "Urwaldstieg" zu einem Aussichtspunkt gehen. Von dort blickt man quasi in das große Quellgebiet hinein, aber man sieht im Grunde nur normalen lichten Wald mit viel Bodenbewuchs. Kein Bächlein oder Teich.

Rotkehlchen
Rotkehlchen
Der Brocken
Der Brocken

Die Brockenstaße ist auf den letzten 3 km bis zum Gipfel sehr steil. Sie ist asphaltiert und hier fahren auch viele Radfahrer und ab und zu eine Pferdekutsche. Bei ca. 1000m Höhe kommt man an die Baumgrenze. Ab hier ist man ohne Schatten und wer die Aussicht auf dem Gipfel noch genießen will, sollte unbedingt an Sonnenschutz denken!

Der Rückweg vom Brocken erfolgte mit der Brockenbahn.

 

Zuletzt gewandert: 11.09.2017
Länge: ca. 19 km
Wanderzeit: ca. 6 h mit 2,5 h Pausen
Typ: Streckenkurs
Routenverlauf: Ilsenburg, Blochhauer, Nagelhütte, Ilsetal, Prinzess-Ilse-Quelle, Zanthierplatz, Ilsefällen, Bremer Hütte, Brockenstraße, Brocken
Besondere Hinweise:
Warnung vor Mücken Warnung vor Sonne Warnung vor Zecken
Landschaft: Felslandschaft, Waldlandschaft, Siedlungs- und Infrastrukturgebiet
Wegtypen: Ortsstraße (mit Gehweg)
Ortsstraße (ohne Gehweg)
land- oder forstwirtschaftlicher Weg
Steg
Pfad
Wegbeschaffenheit: Asphalt, Pflaster, verdichteter Sand/Kies, wurzeldurchsetzter Waldweg

 

Kartenüberblick:

Karte für Tour 280: Wanderung Ilse-Wanderweg

Copyright: Contributors of OpenStreetMap (CC-BY-SA 2.0)


Profil der Route:

Profil für Tour 280: Wanderung Ilse-Wanderweg

 

Anhänge:
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